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Ein Ort voller Geschichte und Tradition

Marie-Antoinette, Goethe, Napoleon III. waren zu Gast ... Das Hofgut könnte viel erzählen

Die Liste der G√§ste im Hofgut Sternen darf man getrost illuster nennen. Von Marie-Antoinette, Tochter der Kaiserin Maria-Theresia, √ľber den Dichterf√ľrsten Johann Wolfgang von Goethe bis zum franz√∂sischen Kaiser Napoleon III. oder dem englischen Schriftsteller Anthony Trollope: Sie alle waren zu Gast im Hofgut Sternen; damals, als der Weg ins H√∂llental noch lange nicht so unbeschwert m√∂glich war wie heute ...

Als das Hofgut Sternen noch "Wirtshaus unter der Steig" hei√üt, muss das H√∂llental als Weg hinauf in den Schwarzwald erst noch erschlossen werden. Das geschieht mit teils spektakul√§ren Kehren von Hinterzarten kommend in den Talschluss des einstigen Gletschertals hinab. Rau sieht es hier aus. Die Ravennaschlucht hat gleich mehrere Wasserf√§lle zu bieten und da sind auch noch der Bistenbach und der Alpersbach, die in Wasserf√§llen vom dunklen Schwarzwald herabst√ľrzen.

Ab dem 12. Jahrhundert f√ľhrt die Falkensteige, die die Z√§hringer errichteten, zwischen Freiburg und Donaueschingen durch das damals noch Falkensteiner Tal genannte heutige H√∂llental. Unter anderem zeugt auch die 1148 gebaute St. Oswald-Kapelle auf dem Areal des Hofgut Sternen hiervon.

Es ist ein Saumpfad, ein Karrenweg, dessen Begehung f√ľr die Menschen allerlei Gefahren birgt. 1734 sprechen die Verantwortlichen der Stadt Freiburg bei der vorder√∂sterreichischen Regierung vor: Es soll eine Verbesserung des Wegs geben. Endlich: 1753 wird die Herrichtung der Falkensteige beschlossen¬†‚Äď zu einem guten und wanderbaren G√ľter- und Postweg. In den folgenden beiden Jahren werden die Arbeiten ausgef√ľhrt.

Nur wenige Jahre sp√§ter, im Mai 1770 schl√§gt die gro√üe Stunde des Hofgut Sternen. Marie-Antoinette ist auf dem Weg nach Paris. Sie will den franz√∂sischen K√∂nig Ludwig XVI. heiraten. Nat√ľrlich reist sie nicht alleine! Es muss ein herrliches Schauspiel gewesen sein, wie sich die barocke Pracht aus 21 Karossen, 36 Wagen und 450 Pferden entfaltet ... Marie-Antoinette macht Halt am alten Gasthaus¬†‚Äď und noch heute findet sich hier ein Wegstein, der die zuk√ľnftige K√∂nigin unterrichtete, dass es noch drei Stunden Fahrt bis Freiburg sind ...

Das Hofgut erlebt viele Stern-Stunden in seiner Geschichte. Auch Johann Wolfgang von Goethe macht hier Halt. Gleich zweimal zieht es ihn ins H√∂llental. Heute ist ein Teil des Ensembles Hofgut Sternen nach ihm benannt. Im Goethehaus l√§sst es sich in Erinnerung an dieses Universalgenie unter ganz besonderen Umst√§nden √ľbernachten ...

Und warum das H√∂llental heute H√∂llental hei√üt? Als sich die franz√∂sischen Truppen unter General Moreau 1796 zur√ľckziehen m√ľssen, f√§llt ihnen das an dieser Stelle des Schwarzwalds nicht ganz leicht. Das Falkensteiner Tal geht als "Val d'enfer", als "H√∂llental", in die Geschichte ein. Aber es ist nicht nur die M√ľhsal der franz√∂sischen Truppen, die diesem Flecken den wenig schmeichelhaften Namen verleiht. Schon 1691 flucht Leopold I., als er die Enge am heutigen Hirschsprung als "die H√∂ll" bezeichnet, w√§hrend er √ľber die Verteidigung der Schwarzwald√ľberg√§nge nachdenkt.

Heute ist das Hofgut Sternen √ľber das H√∂llental perfekt zu erreichen. Seit 1887 bef√§hrt au√üerdem die H√∂llentalbahn die Ravennaschlucht. Es ist die steilste Bahnstrecke Deutschlands und mittlerweile l√§sst sie sich sogar ohne Hilfe eines Zahnradantriebs bew√§ltigen.

Die Zeit der Postkutscher ist l√§ngst vorbei. Und auf die Frage nach der Fahrtzeit antwortet niemand mehr: "Wenn nichts rei√üt und bricht, k√∂nnen wir wohl in zwei Stunden da sein, au√üer der Herr w√ľnsche, unterwegs einige Male einzukehren."

Die St. Oswald-Kapelle

1148 wurde St. Oswald als erste Pfarrkirche am Ort vom Konstanzer Bischof geweiht. Die Weihe liefert das √§lteste urkundliche Datum f√ľr die Besiedlung der Falkensteiner Herrschaft.

Das Familienwappen der Falkensteiner, das 1950 bei Restaurierungsarbeiten √ľber dem Seitenaltar freigelegt wurde, ist heute leider nicht mehr zu sehen. Um 1408 mussten die Falkensteiner, deren Burg im Laufe der Zeit zum Raubritternest herabgesunken war und 1390 durch ein Freiburger Aufgebot zerst√∂rt wurde, ihre Grundherrschaft St√ľck f√ľr St√ľck verkaufen. Der weitl√§ufige Besitz umfasste vor allem das Gebiet der heutigen Gemarkung Breitnau und Hinterzarten. Nachfolger der Falkensteiner "Auf dem Wald" wurden die Herren Schnewlin von Landeck, die Freiherren und sp√§teren Reichsgrafen von Sickingen. Aber auch nach der schon um 1200 erfolgten Verlegung einzelner Siedlerstellen samt Pfarrei hinauf in die g√ľnstiger gelegene "Breite Au" behielt die nun als Filialkirche dienende Oswald-Kapelle wichtige Rechte und bis 1798 wurden hier regelm√§√üig Gottesdienste der Gesamtpfarrei Breitnau-Hinterzarten abgehalten. Noch heute ist der bis 1863 benutzte kleine Friedhof rings um das alte Gotteshaus erkennbar.

Die Gunst der Sickinger Herrschaft wurde schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch neue Kirchbauten weiterhin sichtbar. Davon profitierte neben anderen auch St. Oswald durch die barocke Umgestaltung im Jahr 1606, der später weitere Veränderungen und Vergrößerungen folgten.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde die St. Oswald-Kapelle mehrfach durch Fliegerbomben besch√§digt. Sie musste 1950 einer umfassenden Renovierung unterzogen werden, bei der die Baugeschichte der Kirche nur unvollkommen gekl√§rt werden konnte. Im Jahre 1980 fielen einige Figuren des Hauptaltars gewissenlosen Kirchenr√§ubern in die H√§nde. Sie konnten zwar wieder aufgefunden werden, sind aber aus Sicherheitsgr√ľnden jetzt durch Kopien ersetzt.

Die St. Oswald-Kapelle ist heute mehr denn je ein beliebtes Ausflugsziel. Im Sommer 1998 feierte Sie Ihr 850-j√§hriges Bestehen und wird jetzt f√ľr Weihnachtsgottesdienste, musikalische Veranstaltungen und Trauungen genutzt.

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